Social Fixer und das verbesserte Netzwerk

Eine verkürzte Variante dieses Artikels ist im Techniktagebuch erschienen.


Facebook hält eine Fülle nützlicher Features bereit und gerade in Sachen Privatsphären-Einstellungen lässt es sich so perfekt individualisieren, dass einige Kontakte komplett in ihrer privaten Blase versinken. Sie tauchen dank Algorithmus selten in der eigenen Timeline auf und nach Jahren fehlen sie dann auf einmal. Ein Plugin hilft, offene Fragen zu klären.

von Samael Falkner

Social Fixer ist ein kostenfreies Plugin, das in Chrome gute Dienste leistet. Es lässt die vollständige Individualisierung Facebooks in seiner Browserversion zu. Jedes Bedienelement lässt sich irgendwie ausblenden. Keine Lust auf die Seitenleiste mit Chat, Gruppenvorschlägen, Kontakten und Aktivitäten? Kein Problem, ein Haken in Social Fixer lässt die Seiten ausblenden. Spiele, Werbeanzeigen und Posts verschwinden so im Handumdrehen. Gleiches gilt für einzelne Beiträge in der Timeline. Der Algorithmus spült bei jeder Aktualisierung die “interessantesten” Beiträge wieder nach oben. Aber was, wenn ich das “lustige Video” schon beim ersten Mal nicht sehen wollte? Durch Social Fixer lässt sich der Post dauerhaft ausblenden oder filtern. Keine Beiträge mehr von RT, Huffpost oder nervigen Clickbait-Seiten in der Timeline? Eine Filterregel bereinigt dauerhaft. Social Fixer ist ein nützliches Tool und es macht genau das, was es soll. Hunderte Einstellungsmöglichkeiten individualisieren Facebook als Netzwerk und Plattform und schneiden die Seite so zurecht, wie man selbst sie nutzen möchte. Das Plugin bereinigt aber vor allem ein Problem: Fehlende Kontakte.


Wie jemand Facebook nutzt, ist eine sehr private Angelegenheit und auch Gewöhnungsfrage. Die einen adden ausschließlich Familie und Freunde, andere sammeln ihre 5.000 Kontakte voll und schalten nahezu jeden Post für ihre zig tausend Abonnenten frei. In meiner Liste hält sich die Menge der Fremden mit der Bekannter die Waage. Die Zahl ist stabil und von Zeit zu Zeit kommen Menschen hinzu, die mindestens zehn, fünfzehn Kontakte mit mir gemeinsam haben. Ich schaue mir jedes Profil vor der Annahme an und wäge ab, ob derjenige in den Diskussionen nur stören möchte, oder wir tatsächlich Dinge gemeinsam haben. In der Regel nehme ich an. Und wenn ich ablehne oder jemanden lösche, lasse ich ihm eine kurze Nachricht zukommen. Ausnahmen sind aggressive Streits, in denen man sich gegenseitig entfreundet. Um so größer die Verwirrung, wenn über Nacht ein Kontakt fehlt.

Es gibt viele Gründe, weswegen Menschen plötzlich nicht mehr verkontaktet sind. Erstaunlicherweise gehört Versterben fast nie dazu. Denn auch heute hat sich ein digitales Testament noch nicht durchgesetzt. In den letzten Jahren sind gleich mehrere jüngere Kollegen verstorben und keiner von ihnen hatte offenbar verfügt, was mit seinem Facebookprofil geschehen soll. Und so erhalten sie alle jedes Jahr zu ihrem Geburtstag zahlreiche Glückwünsche, aber auch Werbeposts auf der Pinnwand oder Nachrichten, warum sie sich so lange nicht gemeldet haben. Das ist grotesk und ich rate jedem, irgendwo verbindlich zu verfügen, was mit seinen Profilen im Todesfall geschieht. Aber: Diese Profile sind nicht das Problem. Sie bleiben meist bestehen.

Erfahrungsgemäß ist der Hauptgrund, warum jemand nicht mehr verkontaktet ist, dass er sein Profil deaktiviert. Menschen deaktivieren ihre Profile weil sie einfach mal ihre Ruhe brauchen, große Projekte abarbeiten müssen, aber auch weil sie Facebook dauerhaft nicht mehr nutzen wollen. Das weiß ich jedoch erst seit Social Fixer. Social Fixer zeigt nämlich bei jedem fehlenden Kontakt eine zeitnahe Benachrichtigung an, was genau derjenige getan hat, um verschwunden zu sein. Geblockt, entfreundet, deaktiviert, sich umbenannt. Gerade bei den Umbenennungen wäre man sonst ab 200 Kontakten verloren. Wer kennt jeden seiner Kontakte so gut, dass er auch mit neuem Profilbild und Namen sofort erkennen würde, mit wem er es zu tun hat? Am häufigsten in meiner Timeline ist dabei der Trend hin zum Klarnamen. Die Freundschaften mit “Bi Son” und “Gehtdichnixan NichtmeinName” gehören der Vergangenheit an, die meisten Nutzer wollen heute offen und sinnvoll diskutieren. Selbst die Bots tragen vernünftige Namen und Bilder.

Eine Frage kam in der Diskussion dazu auf: Warum sollte man wissen wollen, mit wem man nicht mehr verkontaktet ist? Wenn ein Kollege, der täglich seine Arbeit an 5.000 Kontakte versendete, damit sie auch gelesen wird, über Nacht sein Profil deaktiviert, frage ich nach warum. Wenn jemand nach einer sachlichen Diskussion entfreundet, interessiert mich wieso. Wenn ein langjähriger Freund plötzlich blockt, rufe ich zurück und stelle das zur Debatte. Wenn sich ein schwer depressiver Freund deaktiviert, dann ist das für mich ein Grund, mal vorbeizuschauen. Ich kann und will soziale Medien in der von mir gewählten Nutzung nicht von meinem Alltag entkoppeln. Das mag bei rein werblichen Profilen möglich sein, für mich ist Facebook jedoch nur ein weiterer Knotenpunkt, der soziale Situationen ermöglicht und ja, auch Freundschaften bewahrt durch In Kontakt bleiben. Social Fixer räumt mit diesen Fragen auf und gibt Bescheid, statt Frust zu verursachen, wie es durch die unauffällige Löschung geschieht.

Das Plugin wird ständig überarbeitet und stets an die neue Facebook-Version angepasst und ist downloadbar unter http://socialfixer.com/download.html .


Artikelbild: Sarah Marshall via Flickr unter CC 2.0 Lizenz

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